Wer auf Köln fliegt, sollte deswegen noch lange nicht nach Köln fliegen. Und wer aus Köln so schnell wie möglich weg will, hat es auch nicht einfach, jedenfalls nicht am Flughafen Köln-Bonn. Im Gegenteil, es ist der schlimmste Flughafen, den man als Reisender weit und breit frequentieren kann. Ein Trauerspiel.
„Du kriß mich us Kölle, ävver Kölle nit us mir“, singen die Bläck Fööss in einem Karnevalslied. So ganz beschreibt es die Situation nicht, die Reisenden am Flughafen Köln-Bonn begegnet: Aus Köln rauszukommen, ist gar nicht so einfach, jedenfalls nicht mit dem Flugzeug. Hier stranden Flugreisende schon mal, ihr Gepäck fliegt ohne sie oder sie verirren sich in der katastrophalen Besucherführung. Ich war in letzter Zeit häufiger aus dienstlichen Gründen auf das Flugzeug angewiesen. Meine Erlebnisse am Köln-Bonner Flughafen lassen es mir ratsam erscheinen, demnächst lieber von anderen Flughäfen zu fliegen. Hier singe ich mein Klagelied.
Am 14.09.2926 erschien im Kölner Stadt-Anzeiger ein Interview mit Flughafen-Chef Thilo Schmid, in der der Airportmanager die Abläufe und die neuen Anlagen im Sicherheitsbereich über den grünen Klee lobte. Am 15.9. ist der Betrieb in eben diesem Sicherheitsbereich nahezu zusammengebrochen: Reisende haben ihre Flüge verpasst, Aggressionen und Nervenzusammenbrüche inklusive. Grund: von 40 Sicherheitsmitarbeiter:innen hatten 20 sich spontan krank gemeldet. Wenn 50% der Beschäftigten einer Schicht sich gleichzeitig krank melden, kann das zwei Gründe haben, nämlich eine Epidemie (dann hätte man aber sicherheitshalber den gesamten Flughafen schließen müssen) oder eine konzertierte Aktion. Der Flughafen wurde aber nicht geschlossen, also scheint es andere Gründe zu geben. Hier einen Zusammenhang mit dem Interview zu sehen, dass nur einen Tag vorher erschien, ist wohl nicht völlig von der Hand zu weisen. Die Lobeshymnen ihres Chefs auf die Abläufe scheinen die Mitarbeiter:innen jedenfalls nicht zu teilen. Das Problem bestand auch nicht nur an diesem einen Tag. Hat sich durch die neue Sicherheitstechnik etwas für Reisende verbessert? Ganz offensichtlich nicht.
Die extrem langen Schlangen gehen auch nicht nur aufs Konto der Flughafengesellschaft, die den Sicherheitsbereich von der Bundespolizei komplett übernommen hat. Denn auch die Passkontrollen bei außereuropäischen Flügen verlaufen nur äußerst verzögert. Die automatischen Passkontrollschalter waren bei meinen Flügen in jüngerer Zeit geschlossen. Bei der Ausreise war nur ein Kontrollschalter mit zwei Bundespolizisten geöffnet. Bei der Rückkehr bildeten sich sowohl nachmittags als auch abends nach 22 Uhr sehr lange Schlangen mit entsprechenden Wartezeiten. Normal ist das nicht: Bei meiner Ankunft in Großbritannien ging die Passkontrolle automatisiert in Minuten. Bei der Abreise in London-Gatwick ging auch der Sicherheitscheck in äußerst kurzer Zeit. Die Probleme scheinen also spezifisch für den Flughafen Köln-Bonn zu sein.
Es gibt in Köln zwei Terminals. Mindestens seit der Corona-Zeit wird der neuere Terminal 2 für den Sicherheitscheck aber nicht mehr benutzt. Alle Reisenden müssen durch den Terminal 1 in den Sicherheitsbereich, auch dann, wenn ihr Check-In und ihr Abflug-Gate im Terminal 2 ist. Das gleiche gilt für Reisende, die mit Mietwagen anreisen. Sie müssen durch den gesamten Flughafen wandern, um losfliegen zu können. Besonders ärgerlich ist das für Eurowings-Kunden: Der Check-In-Bereich dieser Airline ist maximal weit weg vom Terminal 2 am anderen Ende von Terminal 1. Wer mit Eurowings ins Nicht-EU-Ausland fliegen will, muss anschließend wieder quer durch den Flughafen zurück ans Ende von Terminal 2 für die Passkontrolle. Wie ältere Reisende oder Gehbehinderte das meistern sollen, ist mir schleierhaft.
Was ich auch nicht nachvollziehen kann, ist, wann und bei welchen Flügen eigentlich die Gangways benutzt werden. Meine Beobachtung ist, dass sie praktisch gar nicht mehr genutzt werden: Bei all meinen letzten Flügen mussten ich und alle anderen Fluggäste über die Rollbahn zu den Maschinen laufen oder wurden mit Bussen dahin gekarrt. Bei meiner letzten Rückkehr aus dem Ausland stand an keiner einzigen Gangway ein Flugzeug, alle standen mitten auf dem Rollfeld, um den Fluggästen einen kleinen Wandertag zu bescheren – bei Wind und Wetter.
Auch die Rückkehr mit dem Flieger zum Airport Köln-Bonn ist ein großes Ärgernis. Wenn man im Dunkeln über das Rollfeld das Terminalgebäude betritt, sieht man durch die Verglasungen bereits die Kofferbänder im Ankunftsbereich. Man kann dennoch nicht direkt dort hingehen, sondern wird durch das Beschilderungssystem auf eine kleine Odyssee quer durch den Flughafen geschickt, Trepp‘ auf und Trepp‘ ab, bis man sein Schrittekonto am Smartphone maximal aufgefüllt hat, um an sein Gepäck zu kommen. Bei einem meiner letzten Flüge mit Ankunft Köln-Bonn lief vor mir ein Reisender mit Gipsbein und Krücken. Er tat mir leid, und als Kölner hätte ich mich beinahe bei ihm entschuldigt. Wie man von Insidern gerüchteweise hört, gebe es ein Abkommen der Flughafenleitung mit der Fa. Rewe, dass alle Reisenden bei Abflug wie Ankunft durch den Einkaufsbereich des Flughafen gejagt würden, sonst hätte sich der Supermarkt dort nicht angesiedelt. Liebe Fa. Rewe: Wenn ich abends um 22 Uhr am Flughafen Köln-Bonn ankomme, steht mir der Sinn nach meinem Bett, nicht aber danach, in Ihrem Supermarkt noch Spaghetti mit Pesto zu kaufen. Nur mal so fürs Protokoll.
Der Airport möchte Reisende weder kommen, noch gehen lassen. Dafür stehen auch die absurd hohen Parkgebühren für Kurzparker, die nur jemanden absetzen oder aufpicken möchten. Indes gehen lange Warte- und damit Standzeiten zu allererst aufs Konto der Flughafengesellschaft selbst, die ja die eigenen Betriebsabläufe offensichtlich nicht in den Griff kriegt. Dafür dann auch noch die Reisenden horrende Summen zahlen zu lassen, ist grotesk. Jeder Tropfen soll hier aus der Zitrone rausgepresst werden – dass die Zitrone dabei sauer wird, steht außer Frage.
Vom Gesamteindruck, den man bei seinen Marschrouten durch diese Baulichkeiten hat, möchte ich hier lieber schweigen. Niedrige, dunkle Gänge, grauer Beton, triste Einkaufsmöglichkeiten: „wenig Aufenthaltsqualität“ ist hier noch zaghaft formuliert. Der französische Anthropologe Marc Augé hat städtebauliche Räume ohne eigene Identität, insbesondere moderne, beliebig gestaltete Allerweltsräume ohne echte regionale oder historische Bezüge wie Einkaufszentren, Bahnhöfe oder eben Flughäfen als „non-lieux“, als „Nicht-Orte“ bezeichnet. „So wie ein Ort durch Identität, Relation und Geschichte gekennzeichnet ist“, schreibt der Forscher,
„so definiert ein Raum, der keine Identität besitzt und sich weder als relational noch als historisch bezeichnen läßt, einen Nicht-Ort. (…) Der Raum des Nicht-Ortes schafft keine besondere Identität und keine besondere Relation, sondern Einsamkeit und Ähnlichkeit.“
(Marc Augé)
Für den Flughafen Köln-Bonn gilt dies in besonderem Maße. Er ist ein Nicht-Nicht-Ort, den meiden sollte, wer nicht selbst eine Seele aus Beton hat.
Den Flughafen Düsseldorf erreiche ich vom Kölner Hauptbahnhof in 38 Minuten, den Frankfurter Bahnhof in 49 Minuten. Bei meinen nächsten Reisen werde ich diese Alternativen ernsthaft in Erwägung ziehen.

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