Workshop am Warburg Institute

Die letzten Tage durfte ich in London verbringen: Am Warburg Institute, dem kunsthistorischen Institut des University College London, fand ein Workshop über einen Zettelkasten statt. Als Verfasser eines Buchs über Notizzettel hatte ich die Ehre, in einem Vortrag in die Philosophie des Notierens einzuführen.

Der Zettelkasten, um den es im Workshop ging, war nicht irgendeiner: Die Künstlerin und Kunstwissenschaftlerin Marion Stancioff hat in einer 50-jährigen Sysiphosarbeit 24.000 Karteikarten vollgeschrieben (und gemalt), mit der sie die, wie sie es nannte, „verlorene Sprache der Symbole“ quer durch die Künste und Kulturen der Welt nachzeichnen und darstellen wollte. Aus der geplanten Buchveröffentlichung wurde indes nichts, da ging es ihr wie anderen großen Notierern, die sich in ihren eigenen Notaten buchstäblich „verzettelt“ hatten, von Leonardo Da Vinci bis Ludwig Wittgenstein. Auch der Gründer des nach ihm benannten Instituts, Aby Warburg, hat fleißig wie ein Hamster Artefakte und Fotografien gesammelt und sogar einen monumentalen „Bilderatlas“ geschaffen, ohne es je zu dem geplanten Buch gebracht zu haben. Dafür hat er seine Sammlung auf der Flucht vor den Nazis von Hamburg nach London gebracht, wo sie sich bist heute befindet. Marion Stancioff hat ihr Opus magnum in Zettelform dem Warburg Institute vermacht. Es liegt heute digitalisiert vor und ist durchsuchbar. Geschaffen hat sie es ganz digital Füller und Tuschestift.


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