Top Ten der Vergessenen Nachrichten 2026

Tag für Tag kommt Relevantes in den Medien zu kurz. Die Initiative Nachrichtenaufklärung (INA) e.V. hat dazu die jährlichen Top Ten der Vergessenen Nachrichten veröffentlicht. 2026 geht es unter anderem um Mikroplastik, die Macht der Großkonzerne und um den verzerrten Blick auf den afrikanischen Kontinent.

Die mediale Berichterstattung zeichnet ein zu negatives Bild von Afrika. Zu diesem Schluss kommt eine Jury aus Wissenschaft und Journalismus. Sie hat die positiven Entwicklungen in Teilen des Kontinents daher auf Platz eins der Rangliste der „Vergessenen Nachrichten“ 2026 gewählt. Die Fachleute betonen, Medien seien auf das Bruttosozialprodukt fixiert. Dabei sei der „Index der menschlichen Entwicklung“ (HDI) viel aussagekräftiger. Dieser Index, der neben Wirtschaftswachstum auch Faktoren wie Lebenserwartung und Ausbildungszeit berücksichtigt, zeige für einige afrikanische Länder ein wesentlich günstigeres Bild, als es in den Medien üblich ist.

Die Initiative Nachrichtenaufklärung (INA) e.V. veröffentlicht einmal im Jahr in Kooperation mit der Nachrichtenredaktion des Deutschlandfunks eine Liste mit zehn relevanten Themen, die keine oder kaum Erwähnung in den Medien gefunden haben. Sie stehen stellvertretend für viele andere vergessene Themen. Die Top Ten gehen auf Einreichungen aus der Gesellschaft zurück, die an Universitäten geprüft werden, bevor dann eine Fachjury aus Journalist:innen und Wissenschaftler:innen entscheidet. „Das Themenspektrum deutscher Medien wird immer enger“, stellt Prof. Hektor Haarkötter, geschäftsführender Vorsitzender der INA, fest. „Wir brauchen in der Nachrichtenwelt definitiv mehr Vielfalt statt Einfalt“.

Für folgende Themen hat sich die INA-Jury in diesem Jahr entschieden:

Die Top Ten der „Vergessenen Nachrichten“ 2026

  • Top 1: Viel besser als ihr Ruf: Afrikanische Länder mit hohem Entwicklungsstand
    Nach dem Human Development Index (HDI) erreichen die afrikanischen Inselstaaten Seychellen und Mauritius einen Wert über dem weltweiten Durchschnitt, weitere afrikanische Länder liegen nicht weit zurück. Die mediale Berichterstattung zeichnet dagegen ein einseitiges Bild Afrikas als überwiegend arm und unterentwickelt.
  • Top 2: Vergiftet: Mikroplastik in Ackerböden
    Mikroplastik gelangt in Ackerböden über Klärschlamm, Kompost, unsachgemäße Entsorgung von Müll sowie Langzeitdünger. Diese Belastung der Böden beeinträchtigt die Nahrungsmittelproduktion, den Wasserhaushalt und die Aktivität von Bodenorganismen und gefährdet langfristig auch die menschliche Nahrungskette.
  • Top 3: Im bürokratischen Niemandsland: Staatenlose scheitern an deutschen Behörden
    In Deutschland lebten 2022 ca. 97.000 Menschen mit ungeklärter Staatsangehörigkeit –Tendenz steigend. Viele dieser Staatenlosen arbeiten und zahlen Steuern. Sie bleiben jedoch juristisch schlechter gestellt und warten oft jahrelang auf die Klärung ihres Status. Die Gründe: Fehlende oder uneinheitliche Richtlinien und überlastete Behörden.
  • Top 4: Ein profitables Geschäft: Deutsche Unternehmen unterlaufen Maßnahmen zur Inklusion von Menschen mit Behinderung 
  • Top 5: Nicht barrierefrei: Politische Information bleibt Behinderten verschlossen
  • Top 6: Die unbekannten Law Clinics: Juristische Hilfe für Benachteiligte 
  • Top 7: Kinderarbeit: Auf Tabakplantagen ausgebeutet
  • Top 8: Überschattung: Wenn psychisch Erkrankte nicht ausreichend körperlich untersucht werden
  • Top 9: Psychische Folgen der Untersuchungshaft 
  • Top 10: Private Schiedsgerichte: Wie einflussreiche Konzerne die Souveränität von Staaten untergraben


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